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Dr. Carl Auer von Welsbach (1858 bis 1929) zeichnete eine seltene Doppelbegabung aus. Er verstand es, fundamentale Wissenschaft zu betreiben und sie gleichzeitig als Erfinder und Unternehmer erfolgreich zu vermarkten.

Er entdeckte 4 Elemente (Neodym, Praseodym, Ytterbium, Lutetium).

Er erfand den Glühstrumpf, der der Gasbeleuchtung Ende des 19. Jh. zu einer Renaissance verhalf.

Er entwickelte das Cer-Eisen - es steckt heute noch als Zündstein in jedem Wegwerffeuerzeug.

Er war eine Koryphäe im Bereich der Seltenen Erden (Lanthaniden).

Er erfand die Metallfadenlampe, die heute noch vielmilliardenfach verwendet wird.

Darüber hinaus betätigte er sich sein Leben lang in den unterschiedlichsten Fachgebieten von der Fotografie bis zur Vogelkunde. In der Erinnerung der Althofener und Treibacher stehen aber seine menschlichen Qualitäten ganz weit oben. Auer von Welsbach verfügte nicht nur über einen exzellenten Geist, sondern auch über ein großes Herz. Die Summe dieser Eigenschaften sichert ihm nicht nur in Österreichs Wissenschafts- und Wirtschaftsgeschichte  einen dauernden und hervorragenden Platz.

Lebenslauf:

1885 1890 1900 1905 1910

1858 09 01: Geburt in Wien als Sohn des Alois Ritter Auer von Welsbach (Direktor der k.u.k. Hofdruckerei) und seiner Frau Therese.

1869 - 73: Besuch des Realgymnasiums in Mariahilf, Wechsel ans Josefstädter Gymnasium.

1873 - 77: Besuch der Realschule in der Josefstadt, Reifeprüfung.

1877 - 78: Militärdienst, Erhalt des Leutnant-Patents.

1878 - 80: Inskription an der Technischen Universität Wien; Studium der Mathematik, allgemeinen organischen und anorganischen Chemie, technischen Physik und Wärmetheorie bei den Professoren Winkler, Bauer, Reitlinger und Pierre.

1880 - 82: Wechsel an die Universität Heidelberg; Vorlesungen über anorganische Experimentalchemie und Laboratoriumsübungen bei Prof. Bunsen, Einführung in die Spektralanalyse, Studium der organischen Spektralanalyse und der Geschichte der Chemie, Mineralogie und Physik.

1882 05 02: Promotion zum Doktor der Philosophie an der Ruperta-Carola-Universität in Heidelberg.

1882: Rückkehr nach Wien als unbezahlter Assistent am Laboratorium von Prof. Lieben; Beschäftigung mit chemischen Trennmethoden für Proben Seltener Erden.

1882 - 84: Veröffentlichungen: "Über die Erden des Gadolinits von Ytterby", "Über die Seltenen Erden".

WB01343_.gif (599 Byte)1885: Erstmalige Zerlegung des Elementes "Didym" mit Hilfe einer neuen, von ihm entwickelten Trennmethode, beruhend auf der fraktionierten Kristallisation einer Didymammoniumnitratlösung. Nach der charakteristischen Färbung bekommt die grüne Komponente von Auer die Bezeichnung Praseodymium, die rosa Komponente den Namen Neodidymium. Im Laufe der Zeit aber bürgerte sich in der Literatur für letzteres Element die Bezeichnung Neodymium ein.

1885-1892: Beschäftigung mit Glühkörpern für die Inkandeszenzbeleuchtung.

Entwicklung eines Verfahrens zur Glühkörperherstellung beruhend auf der Imprägnierung von Baumwollgeweben mittels Flüssigkeiten, in denen Seltene Erden gelöst sind und Veraschung des Gewebes in einem nachfolgendem Glühprozeß.

Herstellung von ersten Glühkörpern aus Lanthanoxid, mit denen die Gasflamme strumpfförmig umhüllt ist; deutlich verbesserte Lichtemission, aber noch mangelnde Stabilität an feuchter Luft.

Ständig weitere Verbesserungen der chemischen Zusammensetzung der Glühkörper, Erprobung von Lanthanoxid-Magnesiumoxid -Varianten.

1885 09 18: Patentierung eines Gasbrenners mit einem "Actinophor" genannten Glühkörper aus 60% Magnesiumoxid, 20% Lanthanoxid und 20% Yttriumoxid; noch im selben Jahr Ersatz des Magnesiumoxidanteiles durch Zirkonoxid und Verfassung einer zweiten Patentschrift mit Hinweis auf die zusätzliche Verwendbarkeit des Glühkörpers auch in einer Spiritusflamme.

1886 04 09: Einführung der Bezeichnung Gasglühlicht durch den Journalisten Moriz Szeps nach der erfolgreichen Präsentation eines derartigen Actinophors im niederösterreichischen Gewerbeverein; geregelte Produktion der Imprägnierflüßigkeit, genannt "Fluid", in den Räumlichkeiten des Chemischen Instituts.

1887: Erwerb der Fabrik Würth & Co. für chemisch-pharmazeutische Erzeugnisse in Atzgersdorf und industrielle Herstellung der Glühstrümpfe. Damit wurde durch Auer von Welsbach die industrielle Verwertung der Seltenen Erden begründet.

1889: Beginnende Absatzprobleme durch die Mängel der frühen Glühstrümpfe, wie deren Zerbrechlichkeit, die kurze Einsatzdauer sowie das vielerseits als unangenehm empfundene, kalte, grünliche Licht und den relativ hohen Preis. Schließung der Fabrik in Atzgersdorf.

1890: Erste Experimente mit Glühkörpern aus Thoriumoxidmischungen, auf Anregung von Dr.Haittinger.

Entwicklung von fraktionierten Kristallisationsmethoden zur Darstellung von reinem Thoriumoxid aus dem reichlich vorkommenden und daher billigen Monazitsand.

Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Reinheit des Thoriumoxids und seiner Lichtemission, Ermittlung der optimalen Zusammensetzung der Glühkörper in langen Versuchsreihen.

1891: Patentierung eines Glühkörpers aus 99% Thoriumoxid und 1% Ceroxid, der inbezug auf die Lichtemission eine direkte Konkurrenz zur elektrischen Kohlenfadenlampe dieser Zeit ist. Wiederaufnahme der Produktion in Atzgersdorf und schnelle Verbreitung der Glühkörper aufgrund der gesteigerten Gebrauchsdauer. Beginnende Auseinandersetzung mit der elektrischen Beleuchtung.

Beschäftigung mit hochschmelzenden, schwer verarbeitbaren Metallen, um die Glühfadentemperatur und damit die Lichtemission zu erhöhen.

Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von dünnen Metallfäden.

Bau von Glühlampen mit Platindrähten, die mit hochschmelzendem Thoriumoxid überzogenen werden, wodurch ein Betrieb der Lampen über der Schmelztemperatur von Platin möglich ist.

Verwerfen dieser Variante, da der Platinfaden beim Schmelzen entweder die Hülle sprengt oder beim Erstarren reißt.

WB01343_.gif (599 Byte)1890 01 15: Patentierung von zwei Herstellungsverfahren für Glühfäden.

In der Patentschrift beschreibt Auer die Herstellung von Glühfäden durch Abscheiden des hochschmelzenden Elements Osmium auf Metallfäden (Legierungsverfahren) und auf organischen Fäden (Kohleverfahren) und nachfolgendem Glühen des Fadens.

Entwicklung und Erprobung weiterer Formgebungsverfahren wie des Pasteverfahrens zur Herstellung von geeigneten Fäden aus hochschmelzenden Metallen. Bei diesem Verfahren wird Osmiumpulver mit einer Lösung von Gummi oder Zucker versetzt und zu einer Paste geknetet. Die Erzeugung des Fadens erfolgt, indem die Paste mit einem Stempel durch einen mit einer feinen Düse versehenen Zylinder gedrückt und der Faden anschließend getrocknet und gesintert wird.

1898: Erwerb eines industriellen Grundstückes in Treibach und Beginn der Forschungs- und Entwicklungsarbeit an diesem Standort. Patentierung der Metallfadenlampe mit Osmiumleuchtfaden. Dies war die Begründung der Pulvermetallurgie für höchstschmelzende Metalle.

1899: Heirat auf Helgoland mit Marie Nimpfer.

WB01343_.gif (599 Byte)1900: Beginn der Entwicklung eines Trennungsverfahrens für Elemente der "Yttererden", beruhend auf der unterschiedlichen Löslichkeit der Oxalate.

1902: Markteinführung der ersten nach dem Pasteverfahren industriell gefertigten Osmiumlampen unter der Bezeichnung "Auer-Oslicht".

Vorteile dieser Lampen gegenüber den zu dieser Zeit gebräuchlichen Kohlenfadenlampen: 57% geringerer Stromverbrauch, geringere Schwärzung des Glaskolbens, ein durch die höheren Fadentemperaturen bedingtes "weißeres" Licht, sowie eine höhere Lebensdauer der Lampe und daher bessere Wirtschaftlichkeit.

Beginn der Beschäftigung mit funkengebenden Metallen mit dem Ziel, Zündvorrichtungen für Feuerzeuge, Gasanzünder und Gaslampen sowie zur Geschoß- und Minenzündung zu bauen.

Die Möglichkeit, bei mechanischer Bearbeitung von Cer Funken zu erzeugen, war ihm von seinem Lehrer Bunsen bekannt.

Ermittlung der optimalen Zusammensetzung von Cer-Eisenlegierungen zur Funkenerzeugung.

1903: Patentierung seiner pyrophoren Legierungen (bilden beim Ritzen mit harten und scharfen Gegenständen an Luft selbstentzündliche Spänchen). Als optimale Zusammensetzung wird in der Patentschrift ein Anteil von 70% Cer und 30% Eisen angegeben.

In weiterer Folge Entwicklung einer Methode zur kostengünstigen, industriellen Herstellung dieser Legierung. Optimierung des damals zur Cergewinnung vorwiegend eingesetzten Verfahrens von Bunsen, Hillebrand und Norton, beruhend auf der Elektrolyse von geschmolzenen
Ceritchloriden. Die damaligen Probleme bestanden vor allem in der Führung der Elektrolyse, um ein porenfreies und haltbares Metall abzuscheiden.

WB01343_.gif (599 Byte)1905 03 30: Bericht an die Akademie der Wissenschaften, daß die Ergebnisse der funkenspektroskopischen Analysen seiner seit 1900 fraktionierten "Yttererden" darauf hindeuten, daß sich Ytterbium aus zwei Elementen zusammensetzt. Auer benennt die beiden Elemente nach den Sternen Aldebaranium und Cassiopeium. Er unterläßt es aber die erhaltenen Spektren und die ermittelten Atomgewichte zu veröffentlichen.

1907: Gründung der Treibacher Chemische Werke GesmbH zur Erzeugung des Cer-Eisens.

Tr_Werke.jpg (15218 Byte)

Veröffentlichung der Spektren und Atomgewichte der beiden neuen, aus Ytterbium gewonnenen Elemente, in Ergänzung zum Bericht an die Akademie der Wissenschaften.

Prioritätsstreit mit dem französischen Chemiker Urbain betreffend die Zerlegung des Ytterbiums.

1908: Lösung des Schmelzfluß-Elektrolyseproblems, wobei die Mineralien Cerit und Allanit als Ausgangsstoffe dienen. Begründung der Industrie der Seltenerdmetalle und der Feuerzeugindustrie.

1909: Adaptierung des Verfahrens durch seinen Mitarbeiter Fattinger, um auch die Monazitsandrückstände aus der Glühkörperproduktion zur Cergewinnung verwenden zu können.

Erzeugung von drei verschiedenen pyrophoren Legierungen:

"Cer" oder Auermetall I : Legierung aus ziemlich reinem Cer und Eisen für Zündzwecke. "Lanthan" oder Auermetall II: eine um das Element Lanthan bereicherte Cer-Eisen Legierung, die aufgrund des besonders hellen Funkens für Lichtsignale Verwendung finden sollte. "Erdmetall" oder Auermetall III : aus Eisen und "natürlichem" Cermischmetall, einer Legierung der Seltenen Erdmetalle dem natürlichen Vorkommen entsprechend.

Die beiden ersten Legierungen konnten sich am Markt nicht durchsetzen, nur das einfach herzustellende Erdmetall erlangte nach Umbenennung in Auermetall I weltweite Verbreitung als Zündstein in der Feuerzeugindustrie.

1909: Entscheidung der Internationalen Atomgewichtskommission zugunsten Urbains aufgrund des früheren Eingangsstempels auf der Veröffentlichung Urbains gegenüber der Publikation Auers, in der dieser die Spektren und Atomgewichte nachreichte. Die Kommission verfügte daher die Verwendung der Bezeichnungen von Urbain Neoytterbium, nun Ytterbium und Lutetium für die neuen Elemente. Heute ist bewiesen, daß Auer von Welsbach und Urbain diese beiden Elemente unabhängig voneinander entdeckten.

WB01343_.gif (599 Byte)1910-1924: Suche nach weiteren Elementen der Seltenen Erden, wie dem Element mit der Ordnungzahl 61.

Durchführung von aufwendigen chemischen Trennungen auf dem Gebiet der radioaktiven Stoffe.

Herstellung verschiedener Präparate von Uran, Ionium (heute Th230), ein Zerfallsprodukt in der Uran-Radium-Reihe, Polonium und Aktinium, die Auer renommierten Institutionen und Forschern wie dem am Cavendish Laboratorium in Cambridge arbeitenden F.W. Aston und Ernest Rutherford zu Forschungszwecken zur Verfügung stellt (1921).

1922: Bericht über seine spektroskopischen Erfahrungen an die Akademie der Wissenschaften in Wien.

1929: Welterzeugung von Cereisen erreicht 100.000 kg.

1929 08 04: Carl Auer von Welsbach starb im 71. Lebensjahr.

Biographie
Um 1900